Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige: Sinnvoll oder überflüssig?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige ist sinnvoll

Die meisten selbständigen Unternehmer schließen keine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) ab. Vor allem Selbstständige mit einem überdurchschnittlichen Einkommen riskieren einen hohen Einkommensverlust
Dies ist nicht nur für die Selbstständigen riskant, sondern kann auch zu sozialen Kosten führen, wenn sie verstärkt auf öffentliche Dienstleistungen angewiesen sind.

In diesem Artikel bewerten wir verschiedene Optionen für einen höheren Versicherungsschutz.

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige?

Selbstständige sind nicht automatisch gegen Berufsunfähigkeit versichert, sondern müssen selbst für ihre Absicherung sorgen, so die BU-Experten von Berufsunfähigkeitsversicherung.de in Ihrem Artikel zur BU für Selbstständige und Freiberufler. Die Zahlen der Statistik zeigen, dass sie dies nur in geringem Umfang tun: 2015 waren weniger als 20 Prozent der Selbstständigen ohne Personal und etwas mehr als 33 Prozent der Selbstständigen mit Personal versichert.

Diese geringe Absicherung ist riskant, denn wer ohne sie einen Unfall erleidet oder erkrankt, riskiert erhebliche Einkommenseinbußen. Außerdem kann es zu erheblichen sozialen Kosten führen, wenn die Zunahme nicht versicherter Unternehmer zu einer immer stärkeren Abhängigkeit von Sozialleistungen und Beihilfen führt.

In diesem Special werden daher Faktoren erörtert, die ihre Entscheidungen beeinflussen, und es wird untersucht, ob der Rückgang des Anteils der Selbstständigen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, durch veränderte Merkmale der Gruppe der Selbstständigen erklärt werden kann. Abschließend ziehen wir Bilanz über die Möglichkeiten zur Erhöhung des Versicherungsschutzes.

Wer ist versichert, und wo?

Während die Zahl der Selbstständigen zwischen 2011 und 2015 um fast 100.000 zunahm, sank der Anteil der Selbstständigen ohne Personal mit einer BUV von 23,3 Prozent im Jahr 2011 auf 19,7 Prozent im Jahr 2015. Auch bei den Selbstständigen mit Angestellten ist die Zahl der Versicherten zurückgegangen, aber mit 33,5 Prozent im Jahr 2015 ist die Versicherungsquote deutlich höher als bei den Selbstständigen.

Die Zahlen des Marktforschungsinstituts zeigen, dass Selbstständige am häufigsten Policen bei gewerblichen Versicherern abschließen: 2012 hatten nicht weniger als 86 Prozent der Selbstständigen Policen bei gewerblichen Versicherern. Etwa 6 Prozent sind über eine Versicherung versichert, 4 Prozent über ein Kollektiv, 1 Prozent über ihren Arbeitgeber, 1 Prozent über einen “Brutfonds” und 1 Prozent über die Sicherheitsnetzversicherung der gewerblichen Versicherer.

Der Aufwand lohnt sich nicht (oder nicht mehr)

Bewusst oder unbewusst können Unternehmer auch die Höhe ihres Verdienstes eine Rolle spielen lassen: Fast 40 Prozent der 1,16 Millionen Selbstständigen und zmp’er, für die das Unternehmertum die Haupteinnahmequelle ist, verdienten 2015 weniger als 20.000 Euro brutto. Diese Gruppe ist unter den Selbstständigen besonders groß.

Wenn sie strukturell über ein so geringes Einkommen verfügen, macht der Abschluss eines Berufsunfähigkeitsversicherung aus ihrer Sicht wenig Sinn: Wenn sie arbeitsunfähig werden, können sie Leistungen und Beihilfen der Sozialversicherung oder des IOAZ beantragen. Aus finanzieller Sicht sind sie nur geringfügig schlechter gestellt. Diese Gruppe von Selbstständigen gibt an, dass sie kaum eine Versicherung abschließen: etwas mehr als 6 Prozent haben eine BUV.

Für die Gesamtgruppe der Selbstständigen ist zwischen 2011 und 2015 in der Tat ein Anstieg des Anteils der Unternehmer mit einem niedrigen Einkommen (bis zu 30.000 EUR) zu beobachten. Im Gegenteil, die Zahl der Selbstständigen, die mehr als 50.000 Euro verdienen, ging zurück. Auf der Einnahmenseite ist der Markt für BUVs also leicht zurückgegangen.

So gesehen sind der primäre “Markt” für die Berufsunfähigkeitsversicherung also nicht unbedingt alle 1,16 Millionen Selbstständigen, sondern eher die 711.000 Unternehmer mit einem Einkommen von mehr als 20.000 Euro pro Jahr. Von dieser Gruppe sind etwa 34 Prozent gegen Berufsunfähigkeit versichert. Der Anteil der Versicherten steigt also stark mit dem Einkommen, sie haben mehr zu verlieren, aber selbst unter den Selbstständigen mit einem Unternehmereinkommen über 50.000 Euro im Jahr sind nur 44 Prozent versichert.

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Neben dem Einkommen und dem angenommenen Risiko spielen auch alternative Sicherheitsnetze eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Abschluss einer Versicherung. Denken Sie an Unternehmer, die nur noch wenige Jahre bis zu ihrer Pensionierung haben und über ein erhebliches finanzielles Polster verfügen.

Geld auf der Hand

Der Unternehmer kann eine eigene Rücklage bilden, um Einkommensschwankungen aufzufangen. Selbstständige haben im Durchschnitt – aber nicht immer – ein höheres Vermögen als Arbeitnehmer, mit dem sie möglicherweise kurze Krankheitszeiten überbrücken können. Ein Teil dieses Kapitals ist fest angelegt, z. B. in einem Haus oder einer Rente. Seit 2015 kann eine Rente bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit jedoch auch früher eingelöst werden. Einige Unternehmer haben auch ein Unternehmen oder Betriebsvermögen, das sie verkaufen können. Nach Berechnungen des deutschen Büros für wirtschaftspolitische Analysen auf der Grundlage von Zahlen aus dem Jahr 2013 können 22 % der unversicherten Selbstständigen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren auf ein ausreichendes Eigenkapital zurückgreifen. Außerdem müssen ältere Selbstständige nur einen kurzen Zeitraum bis zu ihrer Pensionierung überbrücken, so dass ein finanzielles Polster ausreichen kann. Zwischen 2011 und 2015 stieg auch der Anteil der Selbstständigen, die älter als 65 Jahre sind, von 3,1 auf 4,3 Prozent.

Familienbank

Etwa ein Viertel der Selbstständigen hat einen Partner, der der Hauptverdiener ist und auf den die Familie im Falle einer Berufsunfähigkeit zurückgreifen kann. Die Frage ist jedoch, ob das Einkommen des Partners oder die Beziehung so stabil ist. Einige Selbstständige können auch auf die Unterstützung ihrer (Groß-)Eltern zählen. Denken Sie an einen Vorschuss auf das Erbe.

Unternehmertum

Selbstständige, insbesondere solche mit Angestellten, können ihre Arbeit im Falle einer teilweisen oder vorübergehenden Berufsunfähigkeit in einigen Fällen anders organisieren. Im Falle einer vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit kann das Personal die Arbeit übernehmen. Bei langfristiger teilweiser Arbeitsunfähigkeit ist manchmal eine andere Tätigkeit im eigenen Unternehmen möglich. Dadurch werden ihre Einkommensverluste begrenzt.

BU: Prokrastination führt zu nichts

Die Invaliditätsversicherung ist ein relativ komplexes und nicht sehr transparentes Finanzprodukt. Außerdem handelt es sich um eine Versicherung, die mit Themen verbunden ist, an die man lieber nicht denkt: Krankheit und Unfälle. Aus der verhaltenswissenschaftlichen Literatur ist bekannt, dass dies dazu beiträgt, die Entscheidung zum Kauf eines solchen Produkts hinauszuzögern. Bemerkenswerterweise zeigt ein Bericht der Aufsichtsbehörde AFM, dass die Mehrheit der unversicherten Selbstständigen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung in Erwägung zieht. Die Finanzberater geben in dem Bericht auch an, dass die Kunden nicht bereit sind, viel Zeit und Geld für Beratung auszugeben. Außerdem ist es für die Berater schwierig und zeitaufwändig, die Kunden davon zu überzeugen, alle erforderlichen Informationen zu liefern.

BU-Versicherung zu teuer, abgelehnt oder zu spät

Es gibt auch eine Gruppe von Selbstständigen, die sich gerne versichern würden, aber zu spät für die freiwillige Versicherung sind. Dies muss innerhalb von dreizehn Wochen nach Beendigung einer Leistung oder eines Beschäftigungsverhältnisses geschehen. Nur jeder zehnte Selbstständige scheint überhaupt von der Möglichkeit der freiwilligen Weiterversicherung zu wissen.

Darüber hinaus gibt es Selbstständige, die ein Angebot bei einem gewerblichen Versicherer eingeholt haben, denen die Prämie jedoch zu hoch war oder die aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte abgelehnt wurden. Nach Untersuchungen der Gewerkschaft würden etwa 10 % der Selbständigen gerne versichert sein, werden aber aufgrund ihrer Krankengeschichte, ihres Alters oder der Schwere ihres Berufs abgelehnt. Die von kommerziellen Versicherern angebotene Sicherheitsnetzversicherung wird wegen ihrer geringen Deckung (maximal 70 Prozent des Mindestlohns) oft als unattraktiv angesehen. Die kommerziellen Versicherer schreiben für bestimmte Berufsgruppen ebenfalls ein Höchstalter vor, in der Regel 60 Jahre. Mit den jüngsten und künftigen Anhebungen des gesetzlichen Rentenalters wird die Lücke zwischen diesem festen Endalter und dem Beginn der Rentenleistungen immer größer.

Erhebungen zeigen auch, dass mindestens die Hälfte der Selbstständigen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen, dies tun, weil sie die Prämie zu hoch finden. Dies gilt insbesondere für junge Selbstständige: 80 Prozent der Selbstständigen unter 34 Jahren geben den hohen Preis als wichtigsten Grund für die Ablehnung eines Berufsunfähigkeitsversicherung an.

Wie soll man vorgehen? Berufsunfähigkeitsversicherung auswählen oder erzwingen?

Setzt sich der Abwärtstrend bei der Zahl der Versicherten fort, kann dies ein erhebliches Risiko für die Unternehmer selbst, aber auch für die Versicherer und den Fiskus bedeuten. Denn wer selbständig und unversichert ist, wird im Falle einer Arbeitsunfähigkeit stark auf sein persönliches Sicherheitsnetz oder auf öffentliche Mittel angewiesen sein. Wenn sich Selbstständige nur in geringem Umfang versichern, ist es möglich, dass der Umfang für kommerzielle Versicherer zu gering ist. Dies führt zu höheren Preisen. Für die Sozialversicherungen hat die Wirtschaftsforschungsagentur zuvor eine optimale Größenordnung von mindestens einer Million Versicherten errechnet, fast viermal so viele wie derzeit versichert sind.

Politische und soziale Organisationen sind sich daher einig, dass ein höheres Versicherungsniveau wichtig ist. Politiker und Interessengruppen sind sich jedoch sehr uneins darüber, wie dies erreicht werden soll. Erwägen Sie relativ milde Maßnahmen, z. B. die Erhöhung der Transparenz, die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten für Beratung und Unterhalt oder die Verlängerung der Frist für die Anmeldung. Dies wird wahrscheinlich zu einem höheren Versicherungsniveau führen, aber nicht dazu, dass alle Selbstständigen, deren Haupteinkommen aus der unternehmerischen Tätigkeit stammt, eine Versicherung abschließen.

Strengere Maßnahmen zur Erzwingung eines deutlich höheren Versicherungsschutzes können von der Gewährung von Steuervergünstigungen nur für Unternehmer, die eine (Mindest-)Vorsorge für Arbeitsunfähigkeit getroffen haben, bis hin zur Einführung einer Versicherungspflicht reichen. In diesem Abschnitt werden die Optionen und die Ansichten der Beteiligten dargelegt.

 
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